Pilzbefall im Haus - was ist zu tun?

Entdeckt man einen Pilzbefall im Haus fragt man sich schnell, ob es sich bei dem Pilz um einen „Echten Hausschwamm“ handelt. Entweder hat man von diesem Pilz schon gehört oder man stößt bei einer Internetsuche nach „Pilzbefall im Haus“ schnell auf ihn. Und das nicht zu unrecht, denn der „Echte Hausschwamm“ ist ein Spezialist der mit den veränderlichen Umweltbedingungen im Haus wohl am besten zurecht kommt. Ein Fruchtkörper vom „Echten Hausschwamm“ ist oben auf dieser Seite zu sehen.


Untersuchungen aus Deutschland und anderen europäischen Ländern belegen, dass er in etwa

20 – 70% der untersuchten Schadensfälle in Gebäuden der Verursacher ist. Danach folgen in der Häufigkeit, zumindest in Deutschland, der „Kellerschwamm“, der „Ausgebreitete Hausporling“ und verschiedene „Porenschwämme“.


Bei pilzlichen Holzschäden liegt der Fokus, auch aus versicherungsrechtlichen Gründen, eindeutig auf dem „Echten Hausschwamm“. Er kann große Schäden verursachen und eine Sanierung muss gewissenhaft durchgeführt werden um das erneute Aufleben eines Befalls sicher zu verhindern.



Wie kann es zu einem Pilzbefall mit Holz zerstörenden Pilzen im Haus kommen?


Um das besser zu verstehen, überlegen wir uns wie sich Pilze verbreiten und vermehren: Pilze vermehren sich durch Sporen, die von ihren Fruchtkörpern in großen Mengen abgegeben und durch den Wind, durch Menschen und durch Tiere verbreitet werden. Im Durchschnitt findet man 1000 - 10000 Pilzsporen in einem Kubikmeter Luft. In einem Jahr landen daher auf jedem Quadratmillimeter der Erdoberfläche etwa 1000 Sporen. Daher liest man oft, die Sporen seien omnipräsent. Man kann davon ausgehen, dass sich in jedem Haus auch Sporen von Holz zerstörenden Pilzen befinden.

Das bedeutet aber nicht, dass ihr Haus permanent in Gefahr ist, von Pilzen befallen zu werden, denn die Sporen keimen nur auf einem entsprechenden Substrat und bei günstigen Umweltbedingungen:

Entweder muss das Holz auf dem die Spore liegt feucht sein (damit die Spore angefeuchtet wird und Wasser aufnimmt), oder aber es muss dauerhaft eine so hohe Luftfeuchtigkeit (> 95%) herrschen, dass die Spore durch die Aufnahme der Feuchtigkeit aus der Luft angefeuchtet wird, und auch das Holz durch die Luftfeuchtigkeit eine Holzfeuchtigkeit von etwa 30% annimmt. Erst dann kann die empfindliche „Hyphe“, die bei der Keimung aus der Spore wächst, überleben. Wie alle Lebewesen, können Pilze nicht ohne Wasser überleben – auch der „Echte Hausschwamm“ nicht.

Die Chance einer erfolgreichen Keimung und Myzelbildung („Myzel“ nennt man das Pilzgeflecht aus Hyphen) steigt wenn kein Luftzug herrscht, denn durch Luftzug könnte es zur Austrocknung des anfänglich sehr empfindlichen Myzels kommen. Daher beginnen erfolgreiche Pilzinfektionen durch Sporenkeimung am ehesten in Räumen mit hoher Luftfeuchtigkeit und wenig Luftaustausch, z.B. in wenig benutzen feuchten Kellerräumen, in Kriechkellern, in Mauerwerkslücken, zwischen Verschalungen oder in Hohlräumen unter Holzfußböden. Wenn Temperaturen um etwa 20 - 23°C herrschen, und das Holz optimal befeuchtet ist, kann der Hausschwamm sehr gut gedeihen und bei optimalen Bedingungen etwa 5 mm pro Tag (15 cm pro Monat) wachsen.


Jetzt haben wir die wichtigsten Voraussetzungen für eine Infektion durch „Sporenkeimung“ besprochen. Es sind aber auch Fälle bekannt, wo ein Hausschwamm mit seinem bereits etablierten Myzel, z.B. von einem befallenen Nachbarhaus, oder seltener, von einem infizierten Holz im Außenbereich, in ein Haus eingedrungen ist. Das kann nur passieren wenn die Gebäudehülle Schwachstellen hat, wie z.B. eine verletzte Abdichtung oder Leckagen wie undichte Regenrohre, und das Haus und das darin verbaute Holz dadurch nicht mehr vollkommen trocken ist.


Doch nun zurück zum Wachstum des Hausschwammmyzels.



Wie könnte sich der Hausschwamm nach einer erfolgreichen Keimung im Haus ausbreiten?


Zunächst besiedelt er die Holzoberfläche und dann das Innere des Holzes auf dem die Spore gekeimt ist. Er tastet sich mit seine Pilzfäden, den Hyphen, auf der Suche nach Nahrung weiter vor. Dadurch bildet sich, wie oben beschrieben, ein weißes, lockeres Oberflächenmyzel. An der Wachstumsfront geben die Hyphen eine organische Säure und weitere Substanzen ab die in das Holz eindringen und die Holzstruktur zerstören. Diese Holzbruchstücke werden durch abgegebene Enzyme weiter zerlegt und dann von den Hyphen aufgenommen. Neue Hyphen wachsen tiefer in das Holz und zerstören es. Der Pilz registriert genau die Balance zwischen Nährstoffangebot und Umweltbedingungen.

Besonders wichtig ist ausreichend Wasser an der Wachstumsfront, denn die von Pilz abgegebenen Substanzen und die Holzabbaustücke, können von ihm nur aus einer wässrigen Lösung aufgenommen werden.


Wenn die Myzelfront wächst und sich immer weiter von der Feuchtequelle entfernt, bilden sich im Oberflächenmyzel spezialisierte Hyphen: die Gefäßhyphen zur Wasser- und Nährstoffversorgung und die Faserhyphen zur Festigung der entstehenden Myzelstränge. Diese Myzelstränge, die bis zu 8 mm dick werden können, haben für den Hausschwamm eine wichtige Bedeutung denn damit kann er größere Flächen und ungünstige Nahrungszonen überbrücken. Er kann damit auf Mauern wachsen und auch Wände durchdringen. Mit dem weit verzweigten Strangnetz kann sich der Hausschwamm über eine große Fläche im Haus ausbreiten und die Hyphen an der Wachstumsfront auch bei sich ändernden Umweltbedingungen mit Wasser und Nährstoffen versorgen und am Leben erhalten.


Der Wassertransport durch die Stränge ist so effektiv, dass der Pilz das Wasser bei Überversorgung auch wieder an die Umgebung abgibt und dadurch auch das Holz anfeuchtet. Dabei können sich auf dem Myzel und dem Fruchtkörper Wassertröpfchen bilden. Es sieht so aus als würde der Pilz weinen. Diese Beobachtung schlägt sich auch in seinem lateinischen Namen „Serpula lacrymans“ nieder. Lacrymans kommt aus dem Lateinischen und bedeutet wörtlich „Tränen vergießend“.


Im Laufe des Hausschwammlebens bildet sich aus dem anfänglich weißen Oberflächenmyzel ein graues, lappiges Oberflächenmyzel mit darin eingebetteten Strängen. Dieses Myzel ist stark hydrophob und kann die Verdunstung des Wassers aus dem Holz reduzieren (siehe Abbildung unten). Durch diese Myzelstruktur kann der Pilz das Holz länger feucht halten. Die Holzbefeuchtung wird außerdem, wie oben beschrieben, in engen, wenig belüfteten Hohlräumen begünstigt.


Die Bildung eines weit verzweigten Myzelnetzes mit Strängen mit denen der Pilz Barrieren überwinden und die Wachstumsfront auch bei ungünstigen Wachstumsbedingungen hydrieren und mit Nährstoffen versorgen kann, ist einer der Hauptgründe für die Vorherrschaft des Echten Hausschwammes in Gebäuden.



Aus welchen weiteren Gründen muss man bei einem Hausschwammbefall besonders gut aufpassen?


Erstens weil der Hausschwamm enorme Mengen Sporen bilden kann und zweitens weil die Sporen bis zu 20 Jahre keimfähig bleiben. Im Laufe seiner Entwicklung bildet der Hausschwamm Fruchtkörper die Milliarden von Sporen bilden können. Es gibt Berechnungen, dass ein 1 m² großer Fruchtkörper 3 Milliarden Sporen pro Stunde freisetzten kann. Diese Freisetzung erfolgt über Wochen und Monate. Die Oberflächen und Gegenstände in einem Raum mit Hausschwammfruchtkörpern können tatsächlich mit einer orangen Staubschicht aus Hausschwammsporen bedeckt sein. Zusätzlich bilden sich im Myzel des Hausschwammes „Dauersporen“ die ebenfalls für mehrere Jahre eine Trockenzeit überleben können.


Daher ist bei der Sanierung eine gründliche Entfernung des Myzels sehr wichtig. Je nach Sanierungsfall kann es sinnvoll sein, die Wände abzuflammen um darauf haftendes Myzel und Sporen zu zerstören.


Die wichtigste Sanierungsmaßnahme ist aber immer die dauerhafte Beseitigung der Feuchtequelle! Denn wenn das verbaute Holz trocken bleibt können zurückbleibende Sporen nicht keimen und Myzelreste nicht wieder wachsen.


Weiterhin wichtig ist die dauerhafte Trocknung aller durchnässten Bereiche.


Generell sollte eine Bekämpfung Holz zerstörender Pilze (und Insekten) im Gebäude von Fachfirmen nach den Vorgaben der Holzschutznorm DIN 68800-4 Holzschutz - Teil 4: Bekämpfungsmaßnahmen gegen Holz zerstörende Pilze und Insekten und Sanierungsmaßnahmen durchgeführt werden.

Literaturverzeichnis:


Balasundaram S.V. et al. (2018) The fungus that came in from the cold: dry rot's pre-adapted ability to invade buildings. The ISME Journal 12: 791-801


DIN 68800-4: 2020-12 Holzschutz - Teil 4: Bekämpfungsmaßnahmen gegen Holz zerstörende Pilze und Insekten und Sanierungsmaßnahmen


Fricker M.D. et al. (2017) The mycelium as a network. Microbiol. Spectrum 5 (3): FUNK-0033-2017


Huckfeldt T., Schmidt O., Quader H. (2005) Ökologische Untersuchungen am Echten Hausschwamm und weiteren Hausfäulepilzen. Holz als Roh- und Werkstoff 63: 209-219


Meyer L., Brischke C. (2015) Fungal decay at different moisture levels of selected European-grown wood species. Int. Biodet & Biodeg 103: 23-29


Schmidt Olaf (2011) Holz- und Baumpilze: Biologie, Schäden, Schutz, Nutzen. Springer Verlag. 264 Seiten


Sutter Hans-Peter (1986) Holzschädlinge an Kulturgütern erkennen und bekämpfen. Haupt Verlag. 166 Seiten


Zabel Robert A., Morrell Jeffrey J. (1992) Wood microbiology - Decay and its prevention. Academic Press, Inc.. 476 Seiten